Innewohnende Geilheit

Muss heute Abend unbedingt „Maischberger“ schauen. Da scheint sich ganz Interessantes aufzutun. Thematisch ist es natürlich nichts Neues. Es geht um die Wahlen am kommenden Sonntag in drei Bundesländern, die als Schicksalswahlen für ganz Deutschland herauf beschworen werden. Ach, wie ich diese gekünstelte Dramatik liebe. Es ginge natürlich eine Stufe niedriger und natürlich könnte man den Ball auch ein wenig flacher halten, aber manchmal müssen diese Aufreger eben sein. Und dann trieft mir vor der Glotze der Schaum aus dem Maul. Herrlich, wenn man diese Geilheit ausleben kann. Auf die Art „Panem et Circenses“. Wenn sie alle aufeinander eindreschen. Und der Gauland wieder seine Thesen los wird und alle zu Stein erstarren oder ihn für einen Lügner halten und doch in ihrem Herzen auch so finstere Kämmerchen haben. Gott, wie schön! Und ob danach Merkel abgesägt wird oder zurücktritt und was wohl der Gabriel macht wenn die SPD Minderheitenschutz einklagen muss…

Vielleicht ging es uns einfach zu lang zu gut. Ich weiß, dass jeder unter uns sein Schicksal zu tragen hat. Und derjenige mag sich wehren. Aber ein Volk, dem nichts mehr widerfährt außer einer Wohlfahrt, die in Blu-Ray-Playern und 4 k – Fernsehern gemessen wird, aus Traditionsabbrüchen lebt und so wenig mehr weiß über die wirkliche abendländische Kultur, fällt vielleicht zurück in die Barbarei. Oder in die Vorstufen davon. Siehe Sloterdijk in der „ZEIT“ – verschwurbelt wie der ganze Kerl – aber immer noch lesenswert.

Meine Güte, worüber denk ich gerade nach? Dabei wollte ich doch nur einen zünftigen Fernsehabend. Ich glaub, jetzt hol ich mir erst mal ein Bier.