Freitagsgefühl am Donnerstag

Die Zeit läuft durcheinander, kann mich an der Zeit nicht festhalten. Gut oder schlecht. Mir fehlt das Ordnungsmuster. Merke doch wie sehr ich von Deadlines und Terminen geprägt bin, auch so oft fremdbestimmt, dass ich falle und falle und falle. Hat aber auch das positive Ergebnis, mir neue Ordnungsmuster zu suchen. Da ich nicht umsonst leben will und einen Sinn in mir und im Leben finden will (was in solchen Tagen gar nicht so leicht ist!) brauche ich Empfindungen und Vorgänge, die mich erden. Plane also erst mal den nächsten Urlaub. Da entstehen Bilder in mir, die so stark sind, dass sie tröstend wirken. Werde am Samstag nicht nur zu meinem Partner fahren, sondern auch in der Stadt einiges besorgen, was mir wichtig ist: Pfeifentabak, den ich nur dort bekomme (wie banal! tja!) aber auch guten Kaffee. Und ich werde in einem der großen Buchgeschäfte stöbern. Bücher haben mir immer die weite Welt gezeigt und Räume geöffnet.

Dabei ist erst Donnerstag. Liz backt Kuchen. Ich habe ihr versprochen, am Wochenende zu kochen. Diesmal geht alles ganz klassisch zu. Rinderbraten in Rotweinsoße, Rotkohl (der Franke in mir sagt: Blaukraut) und Knödel. Eine schöne schwere Soße, das alles pikant genug. Werde am Freitag ankochen/vorkochen, so dass ich am Samstag, wenn ich von meinem Ausflug zurückkomme, noch einmal alles hochfahre und aufdecke.

Schwanke und schwebe. Schwanke und schwebe zwischen Traurigkeit und Niedergeschlagenheit und Zuversicht. Die Sinnsuche erreicht in mir neue Ebenen. Geht aus dem Kopf, dem Kopfgesteuerten hinab in den Herzensbereich. Nicht umsonst haben die christlichen Kirchen – hier eher römisch – katholischen Zuschnitts – das Herzensgebet tradiert. Und dabei das Ein- und Ausatmen trainiert. Diese meditative Art des Lebens tut ja auch atheistischen Managern gut. Schwanke und schwebe. Mein Herz stolpert nicht, was es manchmal sehr heftig tut. Die Seele, die sich meldet. Die das ganze System der Organe schreien lässt.