Umbruch

Umbruchszeit.

Neue Schwerpunkte setzen. Sich trotzdem wohlfühlen. Das Bekannte nutzen. Darin sich einrichten. Beruhigt sein. Mit dem Geringeren glücklich werden. Es ist das Bedeutende. Heilsames liegt vielleicht darin. Neu ankommen. Heimat finden. Die Füße endlich auf die Erde bringen. Standhaft werden. Über den Horizont blicken. Sich nicht fürchten. Vertrautes mit neuen Augen sehen.

Einfach leben …

 

Zeit

… auf einmal ist stehende Zeit. Nicht, dass gerade alles anders würde, aber die Zeit ist es, die mir verwandelt begegnet. Die Welt atmet aus. Obwohl viel zu viel auf der Welt geschieht. Die Zeit zwischen den Jahren wird spätestens ab morgen wieder aufgefüllt durch entschiedene Umtriebigkeit für Silvester. Nicht zu vergessen so manche Umtauschaktion. Und doch ist die Zeit, die eher eine subjektive Größe ist, gedehnt. Mir haben sich die Stunden zu sehr geschleppt, statt dass ich dankbar gewesen wäre, dass die Vergänglichkeit wenigstens für einige Momente aufgehoben wurde. Wenn es tatsächlich so etwas wie Ewigkeit gibt, dann kann man sie jetzt als stehende Gegenwart, wie es Thomas Mann in seinem Zauberberg genannt hat, vielleicht am besten wahrnehmen.

Und wie so oft macht Zeit, sei sie zu schnell, sei sie zu langsam, ein wenig hilflos…

Freitagsgefühl am Donnerstag

Die Zeit läuft durcheinander, kann mich an der Zeit nicht festhalten. Gut oder schlecht. Mir fehlt das Ordnungsmuster. Merke doch wie sehr ich von Deadlines und Terminen geprägt bin, auch so oft fremdbestimmt, dass ich falle und falle und falle. Hat aber auch das positive Ergebnis, mir neue Ordnungsmuster zu suchen. Da ich nicht umsonst leben will und einen Sinn in mir und im Leben finden will (was in solchen Tagen gar nicht so leicht ist!) brauche ich Empfindungen und Vorgänge, die mich erden. Plane also erst mal den nächsten Urlaub. Da entstehen Bilder in mir, die so stark sind, dass sie tröstend wirken. Werde am Samstag nicht nur zu meinem Partner fahren, sondern auch in der Stadt einiges besorgen, was mir wichtig ist: Pfeifentabak, den ich nur dort bekomme (wie banal! tja!) aber auch guten Kaffee. Und ich werde in einem der großen Buchgeschäfte stöbern. Bücher haben mir immer die weite Welt gezeigt und Räume geöffnet.

Dabei ist erst Donnerstag. Liz backt Kuchen. Ich habe ihr versprochen, am Wochenende zu kochen. Diesmal geht alles ganz klassisch zu. Rinderbraten in Rotweinsoße, Rotkohl (der Franke in mir sagt: Blaukraut) und Knödel. Eine schöne schwere Soße, das alles pikant genug. Werde am Freitag ankochen/vorkochen, so dass ich am Samstag, wenn ich von meinem Ausflug zurückkomme, noch einmal alles hochfahre und aufdecke.

Schwanke und schwebe. Schwanke und schwebe zwischen Traurigkeit und Niedergeschlagenheit und Zuversicht. Die Sinnsuche erreicht in mir neue Ebenen. Geht aus dem Kopf, dem Kopfgesteuerten hinab in den Herzensbereich. Nicht umsonst haben die christlichen Kirchen – hier eher römisch – katholischen Zuschnitts – das Herzensgebet tradiert. Und dabei das Ein- und Ausatmen trainiert. Diese meditative Art des Lebens tut ja auch atheistischen Managern gut. Schwanke und schwebe. Mein Herz stolpert nicht, was es manchmal sehr heftig tut. Die Seele, die sich meldet. Die das ganze System der Organe schreien lässt.