Heller Raum – Schwarzer Mann

Springe in der Literatur etwas hilflos hin und her. Kommt selten genug vor. Habe Roberto Boleno’s „2666“ immer noch bei mir, 1100 Seiten stark . Einmalig zu lesen, ein großer Roman. Und doch muss ich es unterbrechen, weil die vielen Morde, die er schildert, einfach – man vergebe mir – auf Dauer langweilen. Ein Debütroman von großer Stärke „Wer war Alice“. Sehr gut. Und soeben „Mann und Frau“ von Zeruya Shalev. Was für eine Sprache, sollte ich von Sprachgewalt reden?

Steht für mein Leben. Dieses Hin und Her, dieses Anfangen und nicht Vollenden, oder dieses Anfangen und nur eines Vollenden oder dieses Anfangen und erneut Ausschau halten. Andererseits, wer Geschichte erzählen will, sollte immer auch Geschichten lesen. Und nur bei und von den Besten lernen.

Liz und ich haben nach einer Wohnung Ausschau gehalten. Danach rechen ich immer und zähle meine und unsere Groschen zusammen, in der Hoffnung, das wir uns doch noch einiges leisten können. An Orten, an denen es sich zu leben lohnt. Heute in den Bergen, auf über 1000 m liegt Oberammergau. Hat was, die vielen Touristen aus aller Herren Länder geben diesem Ort eine gewisse Grandezza. Aber wird so ein Ort reichen, wenn es stiller in und ums geworden ist. Wenn man von 35 Jahren intensiver Arbeit endlich ausgeruht genug ist? Und kaum schaffe ich mir Raum genug, werde ich doch wieder übermütig und überlege, ob es nicht doch noch einige Jahre geht.

Wer erzählt was für eine Geschichte? Mein Held steht noch immer hinter dem Vorhang und schaut hinaus und sieht die schwarze Gestalt mit dem weiten schwarzen Umhang und dem unzeitgemäßen Zylinder. Und Ricarda sagt, dass sie einen Karl Krawczyck kennt und doch nichts dafür kann, dass sie ab und zu vor Lust zu brennen beginnt. Und weil der Albino Arndt Rosen zum ersten Mal den Gedanken fasst, ihren Liebhaber zu ermorden, fühlt er sich seltsamerweise mit dem schwarzen Mann da draußen höchst verbunden.