Vom Charme der Normalität

Zwischen Erdogan und Obama träumen Bundesbürger noch ganz normal und führen auch ein ganz eigenes normales Leben. Ich blicke auf seltsame Träume zurück, heute Nacht, die sich im Aufwachen weitgehend verflüchtigt haben. Irgendwie erledige ich Vater- und Großvatergestalten. Trauere mit alten Herrn, dass sie ihre Frau verloren haben, starte oder lande ein Flugzeug. Finde mich in fremdem Ländern vor. Wohin zieht es mich?

Während Liz einen ausführlichen Spaziergang macht, werde ich kochen und sie verwöhnen. Ich liebe das. Und ich fühle mich frei dabei. Dabei gibt es, ganz fränkisch, einen Braten, Hähnchen mit Knödeln. Etwas einfaches. Und genau das muss an so einem kälter werdenden Wochenende sein.

War gerade in der Stadt, in der es pulsiert. Der Charme des Südens. In meinem Tabakladen Pfeifentabak besorgt. Eine gemütliche Ecke, obwohl ich gar kein so kräftiger Pfeifenraucher bin. Vielleicht kehrt doch wieder Normalität ein, der Arzt muss es am Montag entscheiden. Ich kann schlecht Auskunft geben. Die Menschen, denen ich begegne – und ich begegne ihnen gern – fragen höflich und auch sorgenvoll nach meinem Gesundheitszustand. Nur wie erklärt man Burn-Out?

Spüre meinen Körper wieder, spüre ihn noch. Fange an, Ideen zu entwickeln. An Umsetzungen zu denken. Die Wissenschaft ruft mich und erzeugt in mir am ehesten wieder den Zugang zur Arbeit. Wenn der Kopf rauchen kann, fühle ich mich wohl.

Merkwürdige Trauer…

…die mich heute überfällt. Dabei genieße ich doch den Tag. Während Liz zum Vortrag geht, habe ich Zeit, ganz für mich, genieße dieses Frühstück für mich allein. Starker Kaffee, Frühstücksei. Im Fernsehen einen Film ausgesucht und über Streaming-Dienst angesehen. „Sinister“. Mein Genre und dabei nicht unoriginell. Ethan Hawke spielt besser, als es dieses Werk verlangen würde.

Aber anschließend: Ich werde traurig, müde, versuche zu lesen. Selbst etwas Kleines, Dummes, nichts gelingt mehr. Und als Liz später zurückkommt und ich schon eineinhalb Stunden geschlafen habe, sieht sie mir meinen inneren Unfrieden an. Bin aus dem Leben gefallen. Und vermisse mein Leben. Ich vermisse es einfach. Ich vermisse d a s  Leben. Dabei war doch blauer Himmel und alles um mich herum gelungen und ich selber durfte zufrieden sein. Woher diese Erschöpfung? Woher nur?

Aggressiv beim Abendessen. Beim Italiener. Gut und leicht gegessen. Und doch war ich mit mir zerstritten. Kein Hass auf mich selbst, nein, so weit geht es nicht. Aber einfach nur Trauer. Was vom Leben übrigbleibt? Und wieder will ich weg von hier. Nur weg. Endlich weg…