Wirr und unverträglich…

… wirre Träume, absolut unverträglich. Jetzt hat es dieser neurotische Präsident mit dem orangefarbenen Haaren sogar bis in meine Nacht geschafft. Ich träume irgendeinen Unsinn von ihm. Keine zusammenhängende Geschichte, eher so etwas wie nächtliche Nachrichtenspots. Dazu kommt, dass wegen meiner Erkältung, die einfach nicht besser werden will, ich nicht tief und entspannt ruhen kann, meine Lunge produziert, ich huste ganze Akkorde und scheine immer ein wenig zu fiebern. So schwebe ich dann auch am Tag. Als hätte ich irgendetwas genommen.

… auf mein Inserat hat sich einer gerührt. Einer, der alles mögliche zuhause hat. Fesseln, Elektrotools, Dildos, natürlich Schlagutensilien. Der Kerle interessiert mich schon. Aber im Großen und Ganzen muss mir jetzt meine Gesundheit wichtiger sein.

… neue Bücher bekommen. Immer noch Geburtstagsgeschenke: „Moby Dick“, „Anna Karenina“ in der jeweils hochgelobten neuen Übersetzung. Und Thomas Pynchon. Ein wirklich toller Autor. Bin schließlich bei „Moby Dick“ hängen geblieben und muss noch immer über den Satz aus „Mr. Hobbs macht Ferien“ schmunzeln: „Wer will schon ein Buch über einen Fisch lesen!“ 

 

Literatur en masse und en detail

Schon immer habe ich mehrere Bücher nebeneinander her gelesen. Schon als Kind machte mir das Freude. Hier Karl May und „Durch die Wüste“ dort „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe. Ich habe das nie aufgehört und mich immer dabei wohlgefühlt. Neben der Fülle blieb mir das eine Werk stets vor Augen. Zur Zeit treibe ich es auf die Spitze. gestern erhielt ich die Übersetzung – oder sollte man sagen – Nachdichtung von „Finnegans Wake“ von James Joyce. Ich habe alle Bücher von diesem genialen Iren und alle bisher auch gelesen. Nun bin ich einfach neugierig, Originaltext und deutscher Transfer liegen auf jeweiliger Doppelseite beisammen oder besser: gegenüber.

Der neue Biller „Biographie“. Was wird nicht darüber bereits räsoniert. Gott sei Dank gibt es auch sehr, sehr kluge Rezensionen dieses Romans. Ich lese die Seiten gierig. Unter dem Sofa liegt, griffbereit Bolano’s „2666“ (ich bin schon auf Seite 650!!) und „Mann und Frau“ von Sheruya Shalev. Dazu kommen wöchentlich „DER SPIEGEL“ und „DIE ZEIT“. Und der neue „Perry Rhodan“ auch (man kann ja nicht nur James Joyce, Biller, etc…lesen). Ach, sagte ich auch, dass ich Comicfreund bin?

Himmel – Torschlusspanik? Nein, nicht nur, vielleicht auch. Nur trunken vor Lust auf Literatur. Und da ich mich zur Zeit auf dem Weg der Genesung befinde, sauge ich auf, was nur geht. Was – nur – geht!

Und ich bin glücklich dabei. Und fühle mich dabei so unendlich jung und unbeschwert und froh.

 

Der Schlüssel zum eigenen Leben

Grüblerisch in der Nacht. Der Schlüssel zum eigenen Leben liegt tief verborgen. Wohl wissend, dass da was ist, kann ich doch nicht aufsperren und nachsehen und den Dämon, so es ihn gibt, frei lassen. So randaliert das Unbekannte in meiner Seele und in meinem Seelenleben und verschafft mir manchmal ganz schöne Qualen. Gut, dass heute Ausschlafen angesagt war, so mussten mich die Stunden an Schlaflosigkeit nicht sonderlich berühren.

Gestern noch den „Überläufer“ von Siegfried Lenz zu Ende gelesen, jenen Roman, den man in seinem Nachlass gefunden hatte und der in der frühen Adenauerzeit nicht veröffentlicht werden durfte.Ein packendes Buch, nicht unbedingt voller Meisterschaft, interessant, dass diese zweite Fassung mit dem erweiterten Schluss auch noch eine schriftstellerische Entwicklung im zweiten Teil aufzeigt. Aus der schmissigen Sprache des Schriftstellers wird schließlich das Brockige, das mir Lenz auch später so sympathisch gemacht hat. Leider hat gerade auch der Schluss in der SBZ – später DDR – seine Schwächen. Manchen Schriftstellerkniff hat er auch zur Hand. Zeitgeschichtlich ist das Buch aber unbedingt wichtig und sollte gelesen werden. Angeblich wäre Anfang der 50er ein Held, der zum Ende des Krieges bei den Partisanen blieb und in den Osten überlief, um gegen seine früheren Kameraden zu kämpfen nicht mehr gewünscht gewesen. Das muss einen schön nachdenklich stimmen.

Manchmal schließt Literatur etwas in mir auf. Mal abwarten.

Heller Raum – Schwarzer Mann

Springe in der Literatur etwas hilflos hin und her. Kommt selten genug vor. Habe Roberto Boleno’s „2666“ immer noch bei mir, 1100 Seiten stark . Einmalig zu lesen, ein großer Roman. Und doch muss ich es unterbrechen, weil die vielen Morde, die er schildert, einfach – man vergebe mir – auf Dauer langweilen. Ein Debütroman von großer Stärke „Wer war Alice“. Sehr gut. Und soeben „Mann und Frau“ von Zeruya Shalev. Was für eine Sprache, sollte ich von Sprachgewalt reden?

Steht für mein Leben. Dieses Hin und Her, dieses Anfangen und nicht Vollenden, oder dieses Anfangen und nur eines Vollenden oder dieses Anfangen und erneut Ausschau halten. Andererseits, wer Geschichte erzählen will, sollte immer auch Geschichten lesen. Und nur bei und von den Besten lernen.

Liz und ich haben nach einer Wohnung Ausschau gehalten. Danach rechen ich immer und zähle meine und unsere Groschen zusammen, in der Hoffnung, das wir uns doch noch einiges leisten können. An Orten, an denen es sich zu leben lohnt. Heute in den Bergen, auf über 1000 m liegt Oberammergau. Hat was, die vielen Touristen aus aller Herren Länder geben diesem Ort eine gewisse Grandezza. Aber wird so ein Ort reichen, wenn es stiller in und ums geworden ist. Wenn man von 35 Jahren intensiver Arbeit endlich ausgeruht genug ist? Und kaum schaffe ich mir Raum genug, werde ich doch wieder übermütig und überlege, ob es nicht doch noch einige Jahre geht.

Wer erzählt was für eine Geschichte? Mein Held steht noch immer hinter dem Vorhang und schaut hinaus und sieht die schwarze Gestalt mit dem weiten schwarzen Umhang und dem unzeitgemäßen Zylinder. Und Ricarda sagt, dass sie einen Karl Krawczyck kennt und doch nichts dafür kann, dass sie ab und zu vor Lust zu brennen beginnt. Und weil der Albino Arndt Rosen zum ersten Mal den Gedanken fasst, ihren Liebhaber zu ermorden, fühlt er sich seltsamerweise mit dem schwarzen Mann da draußen höchst verbunden.