Freunde, die begeistern – eine Ahnung von Pfingsten

Bei guten Freunden so manches abgeladen. Wie gut das tut. Im Erzählen wird klar, woran es krankt, was man ändern sollte, wenn man es noch ändern kann. Interessant, dass der Freund, der sich bestimmt auch auf eine Distanz zu mir berufen kann, ohne angefragt zu sein, über den Kollegen sagt: „Der zieht sein Zeug einfach brutal durch.“ Und so gehen viele gute Gedanken hin und her. Mehr noch aber war mir die Atmosphäre wichtig. Dieses Angenommen-Sein. Auch Liz tat es gut. Ich musste mich nicht verstellen, nicht mächtiger oder stärker tun, als ich eben bin. Große Dankbarkeit für gute und wundervolle Menschen.

Einkaufen – dann innerlich auf Pfingsten vorbereitet. Diesmal nicht nur geistlich, sondern auch geistig. Die ZEIT gekauft, die mit einem Artikel zu Pfingsten aufmacht, wie es sich gehört: „Warum haben wir eigentlich noch zwei Kirchen?“ Bin mal gespannt, was geschrieben wird. Das Fest des Geistes – das Fest für eine begeisterte Welt.

Wär ja gelacht…

Die Schlieren am Himmel künden  einen Wetterwechsel an, leider. Heute ist es nochmal sonnig, mild, ja warm. Liz ist wandern gegangen. Ich konnte nicht mit, da ich heute wieder mal einen Arzttermin habe. Bin innerlich schon ganz konfus.

Konnte das Wochenende sehr kreativ verbringen und viel wissenschaftlich arbeiten. U. a. die Frage, ob christliche Religion und Humor zusammen gehen. Nach meiner Meinung schon, obwohl im ganzen Neuen Testament kein einziges Mal geschrieben steht, dass Jesus gelacht habe, hat für mich der Heiland der Welt sich manchmal vor lauter Lachen auf die Schenkel geklopft. Was haben die Aufklärung, die Säkularisation mit uns gemacht und warum tun sich die christlichen Kirchen mit Satire und Karikaturen nicht so schwer? (Auch wenn es hier sicher Grenzen gibt, in denen religiöse Empfindungen verletzt werden!). – Das Osterlachen ist übrigens schon eine mittelalterliche Entdeckung. Und wie viel geschieht allein darin, dass Papst Franziskus so viel Fröhlichkeit ausstrahlt?! Ich war mit Liz kurz nach seiner Wahl in Rom und hatte damals das Gefühl, dass die ganze Urbs unter einem sommerlich-blauen Himmel ein Lächeln aufgesetzt hatte.

Auch das 1. Kapitel meiner neuen Erzählung geht voran. Auf dem Balkon sitzend, schrieb es sich leichter, als gedacht. Ich konnte den Verkehrslärm ausblenden. Mal schauen, ob das Strahlen des Wochenendes mich weiter begleitet.

Freitagsgefühl am Donnerstag

Die Zeit läuft durcheinander, kann mich an der Zeit nicht festhalten. Gut oder schlecht. Mir fehlt das Ordnungsmuster. Merke doch wie sehr ich von Deadlines und Terminen geprägt bin, auch so oft fremdbestimmt, dass ich falle und falle und falle. Hat aber auch das positive Ergebnis, mir neue Ordnungsmuster zu suchen. Da ich nicht umsonst leben will und einen Sinn in mir und im Leben finden will (was in solchen Tagen gar nicht so leicht ist!) brauche ich Empfindungen und Vorgänge, die mich erden. Plane also erst mal den nächsten Urlaub. Da entstehen Bilder in mir, die so stark sind, dass sie tröstend wirken. Werde am Samstag nicht nur zu meinem Partner fahren, sondern auch in der Stadt einiges besorgen, was mir wichtig ist: Pfeifentabak, den ich nur dort bekomme (wie banal! tja!) aber auch guten Kaffee. Und ich werde in einem der großen Buchgeschäfte stöbern. Bücher haben mir immer die weite Welt gezeigt und Räume geöffnet.

Dabei ist erst Donnerstag. Liz backt Kuchen. Ich habe ihr versprochen, am Wochenende zu kochen. Diesmal geht alles ganz klassisch zu. Rinderbraten in Rotweinsoße, Rotkohl (der Franke in mir sagt: Blaukraut) und Knödel. Eine schöne schwere Soße, das alles pikant genug. Werde am Freitag ankochen/vorkochen, so dass ich am Samstag, wenn ich von meinem Ausflug zurückkomme, noch einmal alles hochfahre und aufdecke.

Schwanke und schwebe. Schwanke und schwebe zwischen Traurigkeit und Niedergeschlagenheit und Zuversicht. Die Sinnsuche erreicht in mir neue Ebenen. Geht aus dem Kopf, dem Kopfgesteuerten hinab in den Herzensbereich. Nicht umsonst haben die christlichen Kirchen – hier eher römisch – katholischen Zuschnitts – das Herzensgebet tradiert. Und dabei das Ein- und Ausatmen trainiert. Diese meditative Art des Lebens tut ja auch atheistischen Managern gut. Schwanke und schwebe. Mein Herz stolpert nicht, was es manchmal sehr heftig tut. Die Seele, die sich meldet. Die das ganze System der Organe schreien lässt.