Jesus auf dem Weihnachtsmarkt…

… beim Gehen durch den winterlichen Weihnachtsmarkt mit all seinen Gerüchen, mit seiner Musik und den Bildern, oft ganz vordergründig, viele Gedanken, die zu fangen, ich kein Vermögen besaß. Es reichte gerade für hausgemachte Senfgurken, Zitronenlikör, Marmelade (Maracuja mit Mango). Im Gottesdienst bei voller Kirche eine Predigt reich an Inhaltsleere. Gut die Musik, tragende Stimmen, Mut zum Verzicht, kaum mehr bekannt ist die Adventszeit Fastenzeit. Theatralik bei den Protestanten hat was Peinliches und Kleinkariertes, das Festliche muss beherrschbar bleiben, auch die Spontaneität bei uns ist eingeübt und vorbereitet. Lektoren lesen nicht nur, sie treten auf. Nicht vergessen, im Anschluss ist Kirchenkaffee, Gemeinschaft ist gewollt.

Manchmal frage ich mich, wie es unserem Herrn Jesus erginge, würde er über unsere Weihnachtsmärkte schlendern oder unsere Gottesdienste mit anschließendem Kirchenkaffee besuchen.  Da würde er mitsingen müssen von „Süßer die Glocken nie klingen…“ bis „Leise rieselt der Schnee…“ Dem kleinasiatischen Messias müssten wir erklären, dass dies alles unser Kulturgut ist. Und die Kultur ist gut bei Krippenspiel und Dresdner Christstollen. Das solle er einsehen, schließlich wüssten wir schon, wie Advent und Weihnachten zu feiern ist. Er solle nur ganz beruhigt sein: Halleluja!

 

Advertisements

Wär ja gelacht…

Die Schlieren am Himmel künden  einen Wetterwechsel an, leider. Heute ist es nochmal sonnig, mild, ja warm. Liz ist wandern gegangen. Ich konnte nicht mit, da ich heute wieder mal einen Arzttermin habe. Bin innerlich schon ganz konfus.

Konnte das Wochenende sehr kreativ verbringen und viel wissenschaftlich arbeiten. U. a. die Frage, ob christliche Religion und Humor zusammen gehen. Nach meiner Meinung schon, obwohl im ganzen Neuen Testament kein einziges Mal geschrieben steht, dass Jesus gelacht habe, hat für mich der Heiland der Welt sich manchmal vor lauter Lachen auf die Schenkel geklopft. Was haben die Aufklärung, die Säkularisation mit uns gemacht und warum tun sich die christlichen Kirchen mit Satire und Karikaturen nicht so schwer? (Auch wenn es hier sicher Grenzen gibt, in denen religiöse Empfindungen verletzt werden!). – Das Osterlachen ist übrigens schon eine mittelalterliche Entdeckung. Und wie viel geschieht allein darin, dass Papst Franziskus so viel Fröhlichkeit ausstrahlt?! Ich war mit Liz kurz nach seiner Wahl in Rom und hatte damals das Gefühl, dass die ganze Urbs unter einem sommerlich-blauen Himmel ein Lächeln aufgesetzt hatte.

Auch das 1. Kapitel meiner neuen Erzählung geht voran. Auf dem Balkon sitzend, schrieb es sich leichter, als gedacht. Ich konnte den Verkehrslärm ausblenden. Mal schauen, ob das Strahlen des Wochenendes mich weiter begleitet.

Die Heilige Woche!

Intensive Arbeit an Texten aus der Reformationszeit. Meine Güte: Latein – Deutsch! Es geht noch. Wer hätte das gedacht. Und nun wächst das Manuskript doch wieder um drei Seiten.

Gestern Zeruya Shalev begonnen: „Mann und Frau“ – eigentlich „Herr und Frau“ (Ba’al we-ischa!). Und nachdem Ba’al sogar als Gottesbegriff in der Religionsgeschichte auftaucht, wird man am Ende des Buches sehen müssen, inwieweit auch dies in die Szenen hineingedacht ist. Sprachlich flott, nicht so träge wie Amos Oz, dessen „Judas“ mir sonst schon gefallen hat. Auch das Tempo des Buches ist beeindruckend. Man liest süffig mit. Aber hält es bis zum Schluss? Sind immerhin 399 Seiten.

Die heilige Woche. Gestern Palmsonntag, Einzug Jesu in Jerusalem. Diejenigen, die ihm da noch ein „Halleluja“ zurufen, rufen am Freitag ein „Kreuzige ihn!“. Wie wahr, wie nahe dran an der Wirklichkeit. Auch heute noch. Und doch gehört mancher Tempel auch heute noch gereinigt. Und da denke ich an manches riesige Bankgebäude und an manchen Fresstempel. Und vielleicht auch an mich selbst!