Ab heute ruft der Ballermann

Noch gestern Nacht hatte ich zur Kenntnis genommen, dass die FDP die Jamaika-Koalition platzen ließ. Es hat mir nicht gerade den Schlaf geraubt. Warum auch. Trotzdem macht sich in mir eine Enttäuschung breit, denn ich frage mich wirklich, wie erwachsen der Bürger ist und wie kindlich mancher Politiker

Ein Dank an die Grünen

Vielleicht hätte man von Anfang an die sogenannte Jamaika-Koalition nur Mallorca-Koalition nennen dürfen. Das hätten alle verstanden. Was will man denn in Jamaika, kennt kaum jemand und war wahrscheinlich auch noch nie dort.

Meine Hochachtung gilt den Grünen, die wirklich alles versucht haben, den anderen Parteien entgegen zu kommen. Bis hin zur Selbstverleugnung. Dies macht die Unfähigkeit der anderen Parteien umso größer. Ich denke an manche Rede von Alexander dem Großen Dobrinth und dem Scheuer Andreas. Und der Auftritt von Christian Lindner gestern Nacht zeigte einen Jungen, der eines noch nicht war: Erwachsen.

Der kleine Herr Lindner

Bevor man wieder über Merkels Kanzlerdämmerung nachdenkt, wäre es sinnvoll, über das Erwachsen-Sein mancher Politiker nachzudenken. In Anlehnung an ein Brecht-Zitat dachte ich mit beim Vorsitzenden der FDP: Vielleicht sollte sich die FDP ein anderes Volk wählen, mit dem es dann seine Politik machen kann.

Was nun kommt entscheidet erst mal Bundespräsident Steinmeier. Er ist der Bundespräsident, der bisher am wenigsten aufgefallen ist und eigentlich als großer Schweiger bekannt war. Nun wird er sprechen müssen. Und zwar ein eindeutiges Machtwort, damit unsere Demokratie nicht Schaden leidet. Denn viel zu schnell werden große Krisen herbeigeschrieben und viel zu schnell bekommt so ein Szenario eine befremdliche Eigendynamik. Der Anfang ist meist erkennbar in Rücktrittsforderungen.

Ballermann-Politiker

Mallorca-Koalition hätte es heißen müssen. Die Insel der spießbürgerlichen Touris, die sich im Ballermann um Kopf und Kragen saufen und einfach nur auffallen um des Auffallens-Willen. Das wäre genau die Nummer gewesen.

Ein Theologe hat einmal einen anderen frommen Mann in unwirscher Zeit mit den Worten getröstet : „Es wird regiert!“ Was für ein Satz. Er meinte nur keine politische Partei, sondern Gott den Herrn.

Immerhin.

Tja – mai — ka – oder ein politisches Räsonieren… oder warum ich glaube, dass es nichts wird, obwohl es doch eigentlich was werden könnte… oder warum ein wandelnder Kleiderständer viel zu viel Worte macht…

… ich hatte dieser Nacht der politischen Verhandlungen – ich weiß rückblickend lässt sich das immer leicht sagen – eigentlich auch nicht allzu viel zugetraut. Da ich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Herrn Kubicki (FDP) habe, schätze ich doch seine Äußerung als sehr ehrlich ein, obwohl ich mit seiner Person nicht so viel anfangen kann. Seine Aussagen bewerte ich als sehr hoch. Also: Da scheint’s aber mächtig im Gebälk bei den Verhandelnden zu knirschen.

Natürlich gibt es keine Koalition zu jedem Preis. Aber es hat schon auch mit einer erwachsenen Demokratie zu tun, ob etwas gelingt. Politik ist vom Wort (Polis – die Stadt) her ein Auftrag:

Suchet der Stadt Bestes!

Oder wie es mal ein Politiker genannt hat: Politik ist die Kunst des Möglichen. Sollte es hier am Möglichen scheitern, wäre so mancher von den wichtigen Figuren weg vom Fenster. Leider haben wir aber auch ein paar, die anscheinend alles torpedieren oder es zumindest allen anderen besonders schwer machen. Siehe die Antwort von einem ebenso redlichen Mann, dem Ministerpräsidenten und Grünen Wilfried Kretschmann.

Oder kommen wir auch ohne Regierung zurecht? Ich weiß, eine kindische Aussage, aber sie macht mir trotzdem Spaß…

Ein schönes Wochenende!