Großstadtcharme

Der Sommertag heute. München City ist angesagt. Liz will im Prinzregentenbad Schwimmen gehen. Für mich stehen meine Spielwarenläden an. Als Comic-Liebhaber muss ich gleich zu meinem Comic-Geschäft und nachschauen, was es Neues gibt. Von dort über den Elektromarkt (was da nicht alles gibt) in die Stadt. Am Stachus überfällt mich Religion. Ich komme die Rolltreppe hoch und laufe den Moslems in die Arme, die für Frieden und Freiheit demonstrieren. Gleich daneben laden die „Zeugen Jehovas“ zum kostenlosen Bibelstudium ein. Und kaum bin ich durch das Kauffinger Tor getreten wirbt die „Scientology-Church“ für Dianetics. Wo ich wohl am meisten Frieden und Freiheit fände?!

Liz ruft an, während ich im Tal sitze. Sie kommt früher aus dem Schwimmbad, wir gehen ins Hofbräuhaus und machen Rast. Die Stadt ist voller Menschen, übervoll. Es ist anstrengend. Dieses Geschiebe und Gedränge. Dazu die Wärme, die noch nicht so vertraut und gewohnt ist.  – Das dunkle Bier will mir hier im Hofbräuhaus am besten schmecken. Und das Brathendl ist auch recht gut. Und Liz? Sie braucht an „Obazda“. Wer nicht weiß, was das ist?: Bayrisch lernen!!

Die Stadt ist auch voller Touristen, viele Amerikaner und viele Asiaten. Es wird begeistert fotografiert, und so manch einer sitzt zaghaft vor einer Schweinshax’n und weiß nichts rechts damit anzufangen. Wie isst man so ein Ding? Aber schauen wir nicht nur auf Asiaten und Amerikaner. Da sollen sich ja schon die Preiss’n schwertun. – Was für eine Atmosphäre und was für eine Lebenslust. Ich weiß schon, warum ich unsere Landeshauptstadt so liebe.

Heimfahrt bei 24 Grad. Morgen soll die 30 Grad Marke geknackt werden. Über Mittag kommt angeblich ein Wettersturz, ein Temperatursturz von bis zu 20 Grad. Das dürfte heftige Gewitter geben. Warten wirs ab. So ein gscheits Gewitter is ja auch nicht ohne!

Vom Himmel und vom Hofbräuhaus

Mit Liz in München. Es tut uns beiden gut, endlich mal wieder gemeinsam rauszukommen. In der Stadt Besuch einer Ausstellung der Künstlerin Helischeba. Sehr starke, eingängige Bilder, voller Metaphorik und doch klar im Ausdruck. Ein eigener Geist, der sich wohl nicht hat verbiegen lassen. Danach Weg in die Innenstadt  Ich muss meine Lieblingspfeife reparieren lassen, besser gesagt das Mundstück. Von dort ins Hofbräuhaus zum Essen.

Dort begegnet einem durchaus Einsamkeit. Einige einsame Herrn sitzen allein an Tischen. Lesen Zeitung, essen allein, lesen weiter ihre Zeitung. Gegenüber eine junge Frau, die mit ihrem Smartphone herumspielt und wohl nicht auf einen Freund oder eine Freundin wartet. So lange wir sitzen und bleiben, sitzen alle anderen auch. Auch eine Form von familiärem Miteinander, dieses Dasitzen und Warten, Warten, Warten…

Es ist mild geworden, tatsächlich gegen 15 Grad. Der Hugendubel am Marienplatz scheint nicht zugänglich, dort wird gebaut. Es ist heute nicht so viel los in der Landeshauptstadt, wir kommen gut vorwärts. Kein Drängen und Schieben. Sehe ein Plakat von den Zeugen Jehovas: Eintritt frei! und darunter: Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein! Ich muss schmunzeln. Mein Himmel hat freien Eintritt. Schon immer. Die Liebe Christi ist größer als alles menschliche Denken. Und nicht von 144 000 abhängig.

Wie leer es ist auf der Theresienwiese. Unser Parkplatz. Liz fährt zurück. Viele Gedanken. Wohin zieht es mich, zieht es uns? Wir üben uns ein in ein Pensionistenleben. Ich habe Angst vor der Einsamkeit. War es gewohnt, 35 Jahre nur gebraucht zu werden, bis zu Erschöpfung. Werde ich die Leere füllen können, die dann entsteht. Weiß um das Paradoxon. Kann es nicht lösen, jetzt noch nicht. Will nicht so schnell da sitzen, wie die alten Herrn im Hofbräuhaus. Hab keine Bilder in mir, aber es rühren sich unaussprechliche Gefühle.