Gott hat Humor

… Liz hat es mit ihrer Erkältung heftig erwischt. Ich werde an die letzten Tage im vergangenen Jahr erinnert, als mich der Katarrh so richtig umtrieb. Sie will so fleißig sein und kann es doch nicht. Wie redet man einer Frau aus, dass sie etwas tun muss? Und wie bringt man ihr bei, dass man doch einfach auch faul sein darf, sich pflegen darf und nichts zu tun braucht. Da ich des Kochens kundig bin, kann ich doch sogar einiges bieten. Ach ja…

Gesprächstermine heute morgen, manche Probleme mehr unter der Tür angesprochen. Eine Dame sagt ab, weil sie mit dem Auto sich gar nicht bis zum Bahnhof durchschlagen kann. Schnee und Schneeverwehungen. Bei uns im direkten Alpenvorland war es heute bis Mittag noch nicht so wild. Erst gegen 14 Uhr fing es an, heftiger zu werden. Inzwischen schneit es auch bei uns ohne Unterlass. Und es ist stürmisch. Wenn ich die Nachrichten richtig interpretiere, dann ist es bei uns tatsächlich noch kommod im Gegensatz zu anderen Orten. Und die angekündigte Sturmflut?! Hoffentlich wird es nicht zu schlimm.

Lese „Tagebuch der Menschheit“. Wie liest man die Bibel, ohne an Gott zu glauben und worüber spricht dieses Buch in seinen Geschichten eigentlich, wenn man es nur anthropologisch verstehen will? Spannende Lektüre, schnell zu lesen, in der sich manches wiederholt. Manchmal auch ein wenig reißerisch, aber bisher nie oberflächlich, sondern mit viel Respekt vor der Heiligen Schrift. Und da ich davon überzeugt bin, dass Gott Humor hat, wird ihm dieses Buch – mal ganz naiv gesprochen – sicher gefallen.

Woran ich glauben möchte…

Schaue mir über Mittag „The Visit“ von Night M. Shyamalan an. Ich mag seine Filme, die immer auch auf Poesie aufbauen, so schräg sie sein können. Und nicht zu vergessen die Spiritualität, die ihnen innewohnt, allerdings auch in jener typisch amerikanischen Überzeichnung. Dieser Film ist so herrlich bösartig, dass er einem gefallen muss. Und danach sagt man vielleicht nicht mehr so leicht: „Ich habe Oma und Opa lieb!“

Kaffeetrinken mit Liz, die nach einem 1 1/2 stündigen Spaziergang angestrengt zurück kommt. Im Schatten ist es kühler als man denkt. Zur Zeit haben wir blauen Himmel und Sonne. Darf nicht täuschen. – Nach dem Kaffee Arbeit an meinem Essay. Ich setzte die Arbeit über das Scheitern der Ökumene als Anhang hinten an. Hätte nie gedacht, dass ich meinen Protestantismus so hoch halten würde.

Immer wieder versuche ich die restliche Zeit Ordnung in mein Leben zu bekommen und stringent an meiner Sache zu bleiben. Es ist unverantwortlich sich so gehen zu lassen. Und doch kostet es mich eine große Kraft an allem dran zu bleiben. Dabei bin ich doch noch eineinhalb Wochen krank geschrieben, als Schutz vor einem weiteren Burn-Out. Ich will es wissen, immer noch. Das bin ich mir selber schuldig. Hoffentlich renne ich nicht gegen eine Wand.

Atheisten erklären mir immer, dass sie an sich glauben, das genüge. Sie bräuchten keine übergeordnete Größe und schon gar keinen Gott. Ich denke mir, wenn das Erste auch noch dahin geht, dass ich nicht mehr an mich selber glauben kann, fällt schon allerhand weg. Da wirds aber dann schon ausgesprochen leer. So sehr ich mich anstrenge, ich kann meinen Gott nicht erledigen. Ich schaffe es einfach nicht. Heinrich Mann, der große Skeptiker meinte, er sei einfach zu schwach, um ihn zu leugnen. Fange an, den Satz zu verstehen.