Ich will leben!!!

In mir ist eine seltsame Form von Geilheit. Es ist so eine angespannte Lust, eine spannungsreiche sexuelle Empfindung. Ich wünsche mir einen Blowjob und muss darüber schmunzeln. Egal, ob von einem Mann oder von einer Frau. Ob da der Frühling an und in mir kitzelt? Ich bin über diese Empfindung nicht traurig. Sie zeigt mir, dass ich noch lebe.

Heute Fußball im Münchner Stadion, in der Arena. Die wiederum zur Festung wird. Die Welt ist so kurios. Ich will nicht jammern. Aber gerade bei solchen Veranstaltungen schlägt das Herz für die vielen Menschen und hoffentlich…hoffentlich… gibt es nicht wieder irgendeinen Anschlag.

Muss viel über die vergangenen zwei Tage nachdenken. Über den Besuch unseres Freundes gestern und über unsere Freunde, die heute gekommen sind. Wir alle sind im Laufe der Jahrzehnte älter geworden. Und sinnieren so vor uns hin. Merkwürdig, dass gerade die Männer so gar nichts mehr vom Leben erwarten. Zur Kenntnis nehmen, dass eben vieles nachlässt. Und Skifahren keinen Spaß mehr macht. Und die Enkelkinder immer donnerstags kommen. Himmel noch mal, wars das wirklich schon. Ich wehre mich mit Händen und Füßen dagegen. Vielleicht ist das auch der Grund meiner – fast unanständigen – Geilheit.

Ich will leben, immer noch. Noch immer! Und das Leben spüren.

Von Freunden…

Der Freund, der mich heute besucht hat, hat mich mit Trauer erfüllt. Nicht wegen seiner Person, nein, er ist ein so wundervoller Mensch, mit dem man viel erleben kann. Aber seine Frau, sie wird bitterer und bitterer im Alter und er verliert dabei seine innere Freiheit, von der ich einmal so viel gelernt habe. Beide über 60, sollten sich doch auf einen gemütlicheren Weg miteinander freuen. Neben gesunden Kindern gibt es nun gesunde Enkel. Aber, das wird ja als selbstverständlich erwartet. Und alles andere?

Nun darf man jemandem, der pathologisch denkt, nicht mit Logik kommen. Und doch erfüllt es mich mit großer Trauer, dass ein Freund, mit dem ich seit über 40 Jahren durchs Leben gehe, so elend wird und verhärmt erscheint. Freiwerden für ihn wäre eine Trennung. Aber geht man im Alter noch so leicht auseinander? Liz trauert mit mir. Und dabei wird einem deutlich, wie glücklich wir miteinander sind und man auch miteinander sein kann. Schön, dass wir zusammen Musik hören konnten. 1. Akt Walküre von Richard Wagner und f-Moll Quartett von Beethoven. Er sagt, er könne das so nur mit uns. Gut!

Morgen kommen Freunde von Liz. Wir freuen uns darauf. Und sind neugierig. Osterwoche eben.