Und sind wir nun gerettet…?

Also gut, Macron ist es gestern in Frankreich mehrheitlich gewählt geworden. Gott sei Dank, nachdem Le Pen wie ein Gott sei bei uns in die Hölle verdammt wurde. Ich gebe es ja zu, ich bin natürlich auch erleichtert, dass Europa mal wieder scheinbar in James Bond-Manier gerettet und die Üblen dieser Welt von der Weltherrschaft abgehalten wurden. Nur, wie lange funktionieren noch solche Bilder? Natürlich kann man über KandidatInnen ein Anathema aussprechen und noch scheint das zu verfangen. Aber beim nächsten Mal wird es eben nicht mehr klappen. Macron hat zwar eine Lehrerin als Frau, aber ein gespaltenes Land am Bein. Er wirkt nicht wie einer, der ein Franzose für alle Franzosen werden könnte. Da ist ihm sein Intellektualismus im Weg. Und vielleicht sogar eine noch brillantere Lehrerin. Aber auch hier will ich zugeben, möchte ich mich gerne täuschen. Nur – wir müssen uns mit den Themen und Thesen der Populisten endlich auseinandersetzen und nicht auf irgendwelche Macrons bauen, die es noch einmal schaffen. Es war ja sogar ein Überzeugungssieg und nicht einer, der gaaaanz knapp daher kam. Respekt. Aber irgendwann wird es eben keine Schönlinge  wie Macron mehr geben. Und vielleicht wird ihm seine Parteilosigkeit sogar noch zum Stolpern bringen. Noch ist die Welt eben nicht gerettet, nein, es gab höchsten einen Aufschub.

Und die Wahl in Deutschland? War eigentlich gar nicht so interessant. Wieder ein Schönling, jung und unverbraucht. Schleswig-Holstein ist nicht die Welt. Höchstens ein Hinweis darauf, dass solche scheinbaren Messiasprätendenten wie Martin Schulz schnell verbraucht sind. Der Mann hat keeen Fortune, wie der Alte Fritz sagen würde. Und Albig? Naja, manchmal merkt man zu schnell, wenn in die Trickkiste der Provinzialität gegriffen wird. Dann bleibt nichts anderes, als die Sozen abzustrafen und nach altem Neuland auszuschauen. Kümmerlich zwar, aber immerhin. Das Volk denkt immer noch konservativ. So schaut es für Merkel wieder ganz gut aus. Macron und Merkel – diese Kombination ist denkbar und Daniel Günther als Merkels Abgesandter hat gute Chancen. Trotzdem wage ich eine steile provokante These: Es wird auch langweilig bleiben, wie es bisher schon war.

Meine Güte wäre das mit Le Pen spannend geworden. Und wir wären nicht jeden Abend in den Nachrichtensendungen mit einer Show aus dem White House gefüttert worden. Ich weiß auch: Das ist politisch inkorrekt. Aber in solchen Zeiten mag man auch mal inkorrekt sein.

Quo vadis?!

Wohin geht Deutschland!? Man kann das alles auch flacher nehmen, den Ball flacher halten, aber es fällt schwer, wenn schon die Regierung es nicht fertig bringt. Und unsere Kanzlerin, die gute Haut, die nun endgültig meiner Meinung nach, Maß und Ziel verloren hat. Schade. Ich war so lange auf ihrer Seite gestanden, auch gegen die Meinung anderer. Aber hier sehe ich die Gefahr, dass auf auf längere Zeit ein Damoklesschwert über uns hängt. Von daher war ich Oliver Welke gestern Abend ganz dankbar für seine spannende „heute-show“! Langsam merke ich, dass dies hier nicht mehr so recht mein Land ist. Ich habe Lust auf Anarchie, auf Widerstand. Mag auch nicht mehr so recht bürgerlich denken. (Was ich mir sowieso mehr und mehr abgewöhnt habe!)

So, wie die Minister gestern aufgetreten sind, ist ein Bruch in der Koalition gerade in dieser Frage der „Causa Böhmermann“ deutlich geworden. Und es sind ja die eigentlich kleinen Dinge, nicht die Weltereignisse, die eine Regierung ins Wanken bringen kann. Bei den großen Dingen, es ist wie in einer Ehe, wird so lange diskutiert, bis ein tragfähiger Kompromiss gewonnen wurde.

Und nun wollen alle gewinnen. Wenn das alles vorbei ist, werden wir uns schütteln, die Augen reiben und verdutzt in die Welt gucken, womit wir uns wieder mal beschäftigt haben. Zum ersten Mal verstehe ich wirklich ganz und gar, warum in unserem Land zur Zeit des Kaisers Wilhelm II. ein Hauptmann von Köpenick möglich war.

Zwei Antworten auf mein Inserat. Vielleicht gibt es am Mittwoch mal wieder ganz infantil den Kochlöffel?! Wäre für Böhmermann die Bastonade, natürlich öffentlich, nicht angebracht? O schick, ich verfalle in Galgenhumor!