Tausend Scharlatane…

… diese Scharlatanerie an Träumen. Unglaublich, was für Bilder einen einholen. Diesmal scheint alles über den Tag hinweg verblasst. Ich habe nur in Erinnerung, dass ich irgendjemand erzählt, ich sei nun 60. Tatsächlich scheint mich die Zahl so zu beeindrucken, dass sie in belastender und lösender weise im Traum erscheint. Waren nicht auch meine Eltern wieder schemenhaft gegenwärtig. Und war nicht wieder eine Welt um mich zerfallen. Was solls…

Tagsüber faul. Ausgeschlafen, auch verschlafen. Kein Gottesdienst, habe auch die Glocken gehört und überhört. Während Liz einen Spaziergang macht, schaue ich „Stereo“, einen großartigen Thriller aus der deutschen Filmschmiede mit Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel, dazu die von mir sehr geschätzte Petra Schmidt-Schaller. Das Ganze wird aber zum Ende hin etwas zu sehr mit Symbolik überfrachtet und bekommt den Touch eines Erlösungsdramas. Eindrücklich über das sehr gelungene Spiel der Akteure hinaus ist die Kamera. Die Bildkompositionen sind wundervoll, stylisch zwar, aber doch sehr lebendig.

Gestern Abend fiel mir der Titel meines neuen Buches ein. Nun kann ich beruhigt weitererzählen. Der Titel wird eine gute und sichere Klammer. Und ich darf nicht vergessen, meine früheren Sachen noch einmal zu überarbeiten, bevor ich sie entweder einreiche oder gleich als E-Book veröffentliche.

Alltag hoch zwei

Montag ist Alltag in verdichteter Form, Alltag hoch zwei. Liz war einkaufen. Ich habe mir heute Pizza gewünscht. Liz macht Pizza so genial und einzigartig, dass mir jetzt schon das Wasser im Mund zusammenläuft.

Gestern mit dem neuen Buch angefangen. Ich habe diesmal lange gebraucht, um die Figuren zum Leben zu erwecken. Es lag wohl auch daran, dass mir kein rechter Name für meinen Helden einfallen wollte. Namen transportieren bereits Geschichten und Empfindungen. Und sie können doch in einem Buch nicht nur Müller, Maier oder Huber heißen. (Vergebung an alle Müller, Maier und Hubers und auch an alle Schulzens). Von meiner früheren Erzählung muss noch das restliche 3. Kapitel korrigiert werden, dann kann es veröffentlicht werden. Und dann stimmt die Waage wieder. Der dicke Roman, der bereits fertig ist, muss dann korrigiert werden und am neuen Buch kann ich arbeiten. Sie liegen sich in verschiedenen Entwicklungen die Dinge im Arm.

Heute Arztbesuch. Nun, wir werden sehen.

Raune es mir zu – blättere um –

Bin ich Teil einer Geschichte oder habe ich nur Lust eine Geschichte zu erzählen? Wer ist der Urheber der Geschichte, in der ich vorkomme und wie ist mein Name? Stehe ich am Fenster und schaue hinaus, in einer Abendstunde, im dunklen Zimmer, noch angeleuchtet von der Straßenlaterne draußen. Ein Albino, dessen Haut sanft leuchtet, hell und fern. Während draußen der Mann entlanggeht, den ich (oder der Albino), seit Tagen beobachte. Eine unzeitgemäße Gestalt, wie einem alten Stummfilm entstiegen. Ein Dr. Caligari mit weitem schwarzen Überwurf und hohem Zylinder. Der mir von dort drüben zu raunt: Ich sehe dich. Ich sehe dich hinter dem Fenster stehen und deine helle Haut schimmert verführerisch zu mir herüber. Fang endlich an, dein Leben zu ändern, zu leben, wie du es gewollt hast. Und weil der Großvater des Albinos – Leo Rosen – bald seinen 105. Geburtstag feiert, will sein Enkel endlich dem Eigenen Raum geben und sich auf und davon machen ins Leben hinein, dessen er sich bis zu diesem Tag verweigert hat. Ricarda liegt nackt auf dem Bett und sieht dem hellhäutigen Liebhaber zu, Ricarda, blonde, kurzgeschnittene Haare, die Augen weit auseinander. Nicht eigentlich schön zu nennen, dazu ist das Kinn viel zu kräftig. die Nase zu fein geschwungen. Eine Abendgeschichte wird das werden, denkt sie, mehr noch, eine Nachtgeschichte, wenn es so weiter geht. Und wenn ich ihn verlasse, wird er dann seine Tür öffnen? Für all diejenigen, die auf ihn warten?

Wessen Geschichte wird erzählt und wessen Geschichte erzähle ich? Wo lege ich Hand an und wo wird meine Hand nur noch geführt? Ist das Alltagsgeschehen, der Tod von Westerwelle oder Späth, eine schon fertig geschriebene Erzählung, die sich mehr und mehr enthüllt, so wie die Seiten  eines Buches umgeblättert werden? Bang frage ich, wie diese Erzählung endet und lege für heute den Stift beiseite-