Von Toten und Lebenden

Heute Nacht wieder ganz verstörend und ganz intensiv von meinen Eltern geträumt, die doch tot sind. Sie wären zu uns in die Stadt gekommen, unweit des Bahnhofs unserer Heimatstadt hätten sie ein Zimmer bezogen und auf uns gewartet: „Wir sind jetzt da!“ Mutter redete kaum, sie konnte sich nicht mehr bewegen und hatte ein massives Exoskelett, dass es ihr erlaubte, wenigstens kleine Schritte ganz langsam zu tätigen. Wenn sie saß und aß aber war sie glücklich. Vater sprach eloquent wie immer munter darauf los mit kräftiger männlicher Stimme. Nach ihrem Rückflug bringt Papa Mama ins Heim. Ich reise hinterher, kenne den Ort nicht, an dem sie sich befinden und suche das Heim und will noch dort ankommen, bevor Mama tot ist. Will beiden etwas mitteilen – aber toten Menschen kann man doch nichts mehr sagen…

Die Krankheit dauert noch an. Der Arzt warnt vor einem Frühstart, Liz sieht es ähnlich, meint sogar, es sollte die Krankschreibung noch dauern, damit ich wieder ganz auf die Beine komme und schließlich wieder mit Freuden arbeiten kann. Ich will es nicht glauben, will schon in eineinhalb Wochen weitermachen. Es reicht jetzt. Trauer. Ohnmacht. Und ich schäme mich.