Und über uns der Himmel…

Lange Tage in Franken sind vorbei, was war es mir wert? Ich konnte der alten Frau ins Gesicht sehen, sie erkannte mich, ihr alles Gute wünschen. Und die Verwandten beobachten, die so ganz verschieden an sie herantraten. Ihr minimalistischer Gesichtsausdruck musste gelesen werden, der Mund, der sich immer wieder spitzte, als wolle sie auch neben allem Lieblichen mit Spott reagieren: Was habt ihr mir getan? So süßlich mancher und doch so abgenutzt manches Handeln, dabei auch viel Ehrlichkeit unter denen, womit keiner rechnete. Und die Unbefangenheit der Kinder, die einfach auf ihre Ur-Oma zugingen: Alt, sehr alt, uralt! Es kostete Kraft.

Heimfahrt mit vielen Gedanken. Zurück überfiel mich Zorn auf mein Leben. Ich wusste nicht ein noch aus. Gut, dass das Wetter noch mitmachte, es war schön warm, Eis essen, bummeln, das nahm die ganze Verwirrung aus mir heraus. Natürlich war einiges aufgestaut. Zuletzt eröffnete Liz im See die Badesaison. Chapeau. Über Nacht jedoch Wettersturz, Dauerregen.

Schlimme Nachrichten. Ein lieber Mensch, der uns sehr nahe steht muss wegen einer schweren Erkrankung ins Krankenhaus und erfährt noch am gleichen Tag: Pankreaskrebs im fortgeschrittenen Stadium. Das ist für den Tag fast zu viel. Das kann nicht sein. Schmerz und Ratlosigkeit. Und keine Worte für das, was sich auftut. Mir ist auch das eine große Angst. Es gibt Krankheiten, die überfallen einen raubtierhaft. Kann sich je einer wirklich vorbereiten?

Und über uns der Himmel, lässt uns nicht untergehen?! Wer weiß!

Schattenbilder

Merkwürdige Träume: Zum einen war ich mit Liz in einer großen Stadt in einem Konzert oder in irgendeiner Veranstaltung. Es ist dunkel, als wir nachhause gehen. Wir werden gewarnt, nicht zu Fuß zu gehen, draußen würden sich mörderische Banden herumtreiben. Tatsächlich sind es Kinder und Jugendliche, die in grausamster Weise mit Waffen, mit Dreschflegeln und Messern, auf die Menschen losgehen und einzeln oder als Gruppen die Erwachsenen angreifen und umbringen. Liz und ich kommen durch, es sind ja nur einige hundert Meter, bis wir wieder in überblickbaren Straßen laufen, die Straßenlampen sind in fahlem Gelb. Die Straßen aber sind leer. Kein Mensch zu sehen. Kann man sich jetzt wirklich sicher fühlen?

Später: Wir sind mit einem Busunternehmen in einer Gruppe unterwegs. Irgendwann gegen Abend erreichen wir unsere Unterkunft, eine Gastwirtschaft, ein Hotel? Wir steigen aus, ich gehe hinter einem älteren Mann her und es wird mir bewusst, dass ich schon 93 Jahre alt bin und bald sterben muss. Und diese Erkenntnis, nichts mehr vom Leben und meinem Dasein erwarten zu dürfen, keine Freude mehr empfinden zu können, raubt mir den Atem und es ist mir, als liefe ich in absolute Schwärze hinein. — Ich erwache stöhnend.

Mit Liz über die Träume beim Frühstück gesprochen.

Von Freunden…

Der Freund, der mich heute besucht hat, hat mich mit Trauer erfüllt. Nicht wegen seiner Person, nein, er ist ein so wundervoller Mensch, mit dem man viel erleben kann. Aber seine Frau, sie wird bitterer und bitterer im Alter und er verliert dabei seine innere Freiheit, von der ich einmal so viel gelernt habe. Beide über 60, sollten sich doch auf einen gemütlicheren Weg miteinander freuen. Neben gesunden Kindern gibt es nun gesunde Enkel. Aber, das wird ja als selbstverständlich erwartet. Und alles andere?

Nun darf man jemandem, der pathologisch denkt, nicht mit Logik kommen. Und doch erfüllt es mich mit großer Trauer, dass ein Freund, mit dem ich seit über 40 Jahren durchs Leben gehe, so elend wird und verhärmt erscheint. Freiwerden für ihn wäre eine Trennung. Aber geht man im Alter noch so leicht auseinander? Liz trauert mit mir. Und dabei wird einem deutlich, wie glücklich wir miteinander sind und man auch miteinander sein kann. Schön, dass wir zusammen Musik hören konnten. 1. Akt Walküre von Richard Wagner und f-Moll Quartett von Beethoven. Er sagt, er könne das so nur mit uns. Gut!

Morgen kommen Freunde von Liz. Wir freuen uns darauf. Und sind neugierig. Osterwoche eben.