Ein alter Wandersmann

Regen! Es ist uns ja ein verregnetes Pfingstwetter vorhergesagt. Naja, wir können es nicht ändern. Also nicht aufregen.  Die Tage in Franken stehen an mit dem 80. Geburtstag der alten Dame, die wahrscheinlich kaum mehr etwas von dem Tag mitbekommt. Trotzdem werden wir, so gut es geht, feiern. Und trotzdem werden wir alle versuchen, irgendwas Gescheites zu sagen. Und vielleicht wird auch ein wenig geheuchelt. Liz und ich fahren erst am Montag, das ist auch gut so. Und nachdem meine Schwägerin sehr gut kocht, werde ich wohl wieder den Attacken auf meine Hüfte erliegen. Die gute fränkische Kost. Oje. (grins)

In den Träumen scheint jemand Gericht über mich zu halten. Ob freundlich oder nicht, kann ich nicht einmal sagen, es ist eben so, dass meine Seele so ganz viel abarbeitet. Liz meinte gestern Abend noch, dass ich wohl auch nicht hatte Trauern können, als meine Eltern starben. Gut möglich. Als sie das „Feierabend-Lied“ auf der Flöte spielte, war es mit meiner Beherrschung fast dahin. Ich kann doch mit so einem Kitsch nichts anfangen. Aber es ist doch kein Kitsch, es ist Liedgut, Volkslied, und es drückt die tiefsten Sehnsüchte des Menschen aus. Wenn man keine Heimat so recht hat, weil man entwurzelt ist, entwurzelt wurde (auch das), dann holt einen die Trauer auch über diesen Verlust manchmal ein. Und gestern Abend war es soweit. Wo bin ich angekommen. Himmel hilf!

Heute ist irgendwie ein armselig trüber Tag. Ich kann mich trösten, etwas weiter mein wissenschaftliches Essay vorangetrieben zu haben und meine Erzählung auf den Weg zu bringen. Später, wenn Liz Tanzen gegangen ist, werde ich wohl lesen. Oder?

Meine irrsten Gedanken waren, im kommenden Jahr, wenn ich nun 60 geworden bin, einmal ganz allein in den Urlaub zu fahren und dort wie ein alter Wandersmann über die Berge und Hügel Irlands zu streifen. Nur bei mir und mit mir. Die Idee habe ich ja schon lange, nur gab es noch keine Möglichkeit, es zu verwirklichen. Es ist dann soweit. Und wie lange soll ich denn noch warten? Manchmal greift auch eine grauenvolle Angst nach mir. Eine namenlose Angst – und tief in mir drin habe ich das Empfinden, es hat damit zu tun, sich sagen zu müssen, dass man nicht genug gelebt hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s