Zwischenraum

CSU gegen CDU: Mehr Zwietracht als Union

Mir gefällt besonders der blaue Raum dazwischen. Er tut dem Auge gut und entspannt. Wir sollten wieder lernen, mehr auf die Pausen und Zwischenräume zu achten.

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Fronleichnam und Girls Weekend

Liz ist heute mit dem Zug ins lange Wochenende gefahren und macht sich morgen auf nach Bad Kissingen ins Girls Weekend mit ihren Freundinnen. Nun könnte ich ja als Maus auf dem Tisch tanzen… Werde aber weiter an meinem Manuskript arbeiten und schauen, dass ich mit dem 1. Kapitel zurande kommen. Außerdem schaue ich gerade den neuen Tarantino (Ja ich bin Tarantino-Fan!!!) im Fernsehen: „The Hateful Eight!“

Und dann sollte man ja auch dem schönen Wetter irgendwie nachgehen und draußen sitzen. Wir haben wieder mal sommerliche Temperaturen, aber mit der Neigung ins G’wittrische. – Gestern noch zu Besuch bei einem Freund, der schwer erkrankt ist und dessen Lebensspanne durch diesen Raubtierkrebs drastisch verkürzt wurde. Ein tapferer Mann, bewundernswert. Ob ich die Demut hätte und so sprechen könnte. Bin in Gedanken bei ihm, seiner Frau und seiner Familie. Und bin betrübt letztlich so wenig helfen zu können.

Als Protestant habe ich natürlich an Fronleichnam nur Beobachterstatus.Und doch erinnere ich mich gerne an meine Kindheit in dieser alten katholischen Stadt, wenn ich aus dem Fenster hinunter schauen durfte zum Bischof mit der Monstranz, der unter dem Himmel schritt und an unserem Haus vorbeiging. An die Fahnen, den Gesang. Dieses Sinnliche geht uns Protestanten ab. Freue mich, dass die Katholiken am Ort heute so ein schönes Wetter für ihren Festtag haben.

Rechtsruck in Österreich? – Meine Großmutter und ihr Gewitter!

Etappe mich doch dabei, wie ich die ersten Planungen für den 60. Geburtstag aufschreibe. Wen will ich einladen? Welches Modell – viele – wenige – sehr viele – sehr wenige? Bei meinem 50. Geburtstag war ich mit Liz im Bayrischen Hof in München. Das wars. Jetzt aber muss man schauen, was nochmal geht. In zehn Jahren (hoffe das zu erleben!) weiß man ja nicht, wer noch da ist und wer noch kann. Früher hat man die Frage nach dem Alter nicht einkalkuliert. Jetzt wird das auf einmal zum Thema. Natürlich. Und mit 70 hoffen wir doch in Rente zu sein. Da fällt der ganze Arbeitsbereich weg. Kollegen, Kolleginnen… Möchte so gerne an diesem Tag Menschen um mich haben, die mir Weggefährten waren und mir auch geholfen haben. Wir sind doch nichts ohne die  echten Freunde. Ich habe so viele Impulse bekommen. Und durfte auch andere begleiten.

Liz war heute wieder schwimmen. Und diesmal war auch, so sagt sie, im Freiband allerhand los. Noch ist es sehr heiß, es wird drückend schwül. Ja, der Sommer lässt nun zum ersten Mal seine Muskeln spielen. Es beginnt, windig zu werden. Meine Großmutter aus Nürnberg meinte dazu immer in ihrem unnachahmlichen Dialekt: „Des mou wou gwittert houm!“ Jaja, meist hatte sie Recht, meine Oma aus Nürnberg.

Werde heute doch nach Österreich schauen und auf den Ausgang der Wahl achten. Kann mir kaum vorstellen, dass das dieser behäbige, sicher sehr freundliche Mann von den Grünen wird. Der Rechtsruck wird kommen und Hofer heißen. Davon wird Europa auch nicht untergehen. Ich kann mit dieser Larmoyanz der Kritiker und der hysterischen Angstmache der politischen Gegner wenig anfangen. Aber na gut, vielleicht muss ich hier noch einiges lernen. Werde trotzdem beruhigt den „Tatort“ anschauen. Ein Vorteil des Älterwerdens ist, dass man manche Ängste von früher nicht mehr kennt. Warum auch!

Großstadtcharme

Der Sommertag heute. München City ist angesagt. Liz will im Prinzregentenbad Schwimmen gehen. Für mich stehen meine Spielwarenläden an. Als Comic-Liebhaber muss ich gleich zu meinem Comic-Geschäft und nachschauen, was es Neues gibt. Von dort über den Elektromarkt (was da nicht alles gibt) in die Stadt. Am Stachus überfällt mich Religion. Ich komme die Rolltreppe hoch und laufe den Moslems in die Arme, die für Frieden und Freiheit demonstrieren. Gleich daneben laden die „Zeugen Jehovas“ zum kostenlosen Bibelstudium ein. Und kaum bin ich durch das Kauffinger Tor getreten wirbt die „Scientology-Church“ für Dianetics. Wo ich wohl am meisten Frieden und Freiheit fände?!

Liz ruft an, während ich im Tal sitze. Sie kommt früher aus dem Schwimmbad, wir gehen ins Hofbräuhaus und machen Rast. Die Stadt ist voller Menschen, übervoll. Es ist anstrengend. Dieses Geschiebe und Gedränge. Dazu die Wärme, die noch nicht so vertraut und gewohnt ist.  – Das dunkle Bier will mir hier im Hofbräuhaus am besten schmecken. Und das Brathendl ist auch recht gut. Und Liz? Sie braucht an „Obazda“. Wer nicht weiß, was das ist?: Bayrisch lernen!!

Die Stadt ist auch voller Touristen, viele Amerikaner und viele Asiaten. Es wird begeistert fotografiert, und so manch einer sitzt zaghaft vor einer Schweinshax’n und weiß nichts rechts damit anzufangen. Wie isst man so ein Ding? Aber schauen wir nicht nur auf Asiaten und Amerikaner. Da sollen sich ja schon die Preiss’n schwertun. – Was für eine Atmosphäre und was für eine Lebenslust. Ich weiß schon, warum ich unsere Landeshauptstadt so liebe.

Heimfahrt bei 24 Grad. Morgen soll die 30 Grad Marke geknackt werden. Über Mittag kommt angeblich ein Wettersturz, ein Temperatursturz von bis zu 20 Grad. Das dürfte heftige Gewitter geben. Warten wirs ab. So ein gscheits Gewitter is ja auch nicht ohne!

Und über uns der Himmel…

Lange Tage in Franken sind vorbei, was war es mir wert? Ich konnte der alten Frau ins Gesicht sehen, sie erkannte mich, ihr alles Gute wünschen. Und die Verwandten beobachten, die so ganz verschieden an sie herantraten. Ihr minimalistischer Gesichtsausdruck musste gelesen werden, der Mund, der sich immer wieder spitzte, als wolle sie auch neben allem Lieblichen mit Spott reagieren: Was habt ihr mir getan? So süßlich mancher und doch so abgenutzt manches Handeln, dabei auch viel Ehrlichkeit unter denen, womit keiner rechnete. Und die Unbefangenheit der Kinder, die einfach auf ihre Ur-Oma zugingen: Alt, sehr alt, uralt! Es kostete Kraft.

Heimfahrt mit vielen Gedanken. Zurück überfiel mich Zorn auf mein Leben. Ich wusste nicht ein noch aus. Gut, dass das Wetter noch mitmachte, es war schön warm, Eis essen, bummeln, das nahm die ganze Verwirrung aus mir heraus. Natürlich war einiges aufgestaut. Zuletzt eröffnete Liz im See die Badesaison. Chapeau. Über Nacht jedoch Wettersturz, Dauerregen.

Schlimme Nachrichten. Ein lieber Mensch, der uns sehr nahe steht muss wegen einer schweren Erkrankung ins Krankenhaus und erfährt noch am gleichen Tag: Pankreaskrebs im fortgeschrittenen Stadium. Das ist für den Tag fast zu viel. Das kann nicht sein. Schmerz und Ratlosigkeit. Und keine Worte für das, was sich auftut. Mir ist auch das eine große Angst. Es gibt Krankheiten, die überfallen einen raubtierhaft. Kann sich je einer wirklich vorbereiten?

Und über uns der Himmel, lässt uns nicht untergehen?! Wer weiß!

Freunde, die begeistern – eine Ahnung von Pfingsten

Bei guten Freunden so manches abgeladen. Wie gut das tut. Im Erzählen wird klar, woran es krankt, was man ändern sollte, wenn man es noch ändern kann. Interessant, dass der Freund, der sich bestimmt auch auf eine Distanz zu mir berufen kann, ohne angefragt zu sein, über den Kollegen sagt: „Der zieht sein Zeug einfach brutal durch.“ Und so gehen viele gute Gedanken hin und her. Mehr noch aber war mir die Atmosphäre wichtig. Dieses Angenommen-Sein. Auch Liz tat es gut. Ich musste mich nicht verstellen, nicht mächtiger oder stärker tun, als ich eben bin. Große Dankbarkeit für gute und wundervolle Menschen.

Einkaufen – dann innerlich auf Pfingsten vorbereitet. Diesmal nicht nur geistlich, sondern auch geistig. Die ZEIT gekauft, die mit einem Artikel zu Pfingsten aufmacht, wie es sich gehört: „Warum haben wir eigentlich noch zwei Kirchen?“ Bin mal gespannt, was geschrieben wird. Das Fest des Geistes – das Fest für eine begeisterte Welt.

Ein alter Wandersmann

Regen! Es ist uns ja ein verregnetes Pfingstwetter vorhergesagt. Naja, wir können es nicht ändern. Also nicht aufregen.  Die Tage in Franken stehen an mit dem 80. Geburtstag der alten Dame, die wahrscheinlich kaum mehr etwas von dem Tag mitbekommt. Trotzdem werden wir, so gut es geht, feiern. Und trotzdem werden wir alle versuchen, irgendwas Gescheites zu sagen. Und vielleicht wird auch ein wenig geheuchelt. Liz und ich fahren erst am Montag, das ist auch gut so. Und nachdem meine Schwägerin sehr gut kocht, werde ich wohl wieder den Attacken auf meine Hüfte erliegen. Die gute fränkische Kost. Oje. (grins)

In den Träumen scheint jemand Gericht über mich zu halten. Ob freundlich oder nicht, kann ich nicht einmal sagen, es ist eben so, dass meine Seele so ganz viel abarbeitet. Liz meinte gestern Abend noch, dass ich wohl auch nicht hatte Trauern können, als meine Eltern starben. Gut möglich. Als sie das „Feierabend-Lied“ auf der Flöte spielte, war es mit meiner Beherrschung fast dahin. Ich kann doch mit so einem Kitsch nichts anfangen. Aber es ist doch kein Kitsch, es ist Liedgut, Volkslied, und es drückt die tiefsten Sehnsüchte des Menschen aus. Wenn man keine Heimat so recht hat, weil man entwurzelt ist, entwurzelt wurde (auch das), dann holt einen die Trauer auch über diesen Verlust manchmal ein. Und gestern Abend war es soweit. Wo bin ich angekommen. Himmel hilf!

Heute ist irgendwie ein armselig trüber Tag. Ich kann mich trösten, etwas weiter mein wissenschaftliches Essay vorangetrieben zu haben und meine Erzählung auf den Weg zu bringen. Später, wenn Liz Tanzen gegangen ist, werde ich wohl lesen. Oder?

Meine irrsten Gedanken waren, im kommenden Jahr, wenn ich nun 60 geworden bin, einmal ganz allein in den Urlaub zu fahren und dort wie ein alter Wandersmann über die Berge und Hügel Irlands zu streifen. Nur bei mir und mit mir. Die Idee habe ich ja schon lange, nur gab es noch keine Möglichkeit, es zu verwirklichen. Es ist dann soweit. Und wie lange soll ich denn noch warten? Manchmal greift auch eine grauenvolle Angst nach mir. Eine namenlose Angst – und tief in mir drin habe ich das Empfinden, es hat damit zu tun, sich sagen zu müssen, dass man nicht genug gelebt hat.