Out is out…

Incirlik is out

Qatar is out

Sandkerwa is out

Theresa May seems to be out

Martin Schulz seems to be out

Toleranz seems to be out

… verändert sich gerade die Welt?

… oder sind das nur Fake News?

… der Globus war einmal rund…

… wird wieder zur Scheibe…

… unsere Kinder spielen noch immer Ball…

… im Hof

 

 

Bad, bad, bad … good, good, good!

So viele Worte.

„Der is ja wirklich so!“ dies war eine Erkenntnis bei der Begegnung mit dem Großmeister aus Amerika. Rempeln, rüpeln, rumpeln… ja hatten denn die Mitglieder der NATO oder des G7 wirklich gedacht, da drüben dreht einer auf und gibt sich auf europäischen Boden handzahm? Ne, Kinners, wer so dachte, war weltfremd…

Dass wir Deutschen die Bösen sind, war schon lange ausgemacht. Die besten Bösewichte in den James-Bond-Filmen (RIP Roger Moore) waren Deutsche. Allen voran Auric Goldfinger (Gerd Fröbe). Nichts Neues also und nichts was uns so richtig erschrecken könnte. Es erreichte mich nicht einmal mehr als neue Gemeinheit. Wieso auch?!

Da nun die Bierzeltrede im Münchener Stadteil Trudering. Ich kenne Trudering schon lange und hätte tatsächlich nicht gedacht, dass dort in einem Bierzelt einmal, nun sagen wir es vorsichtig, bedeutende Geschichte geschrieben würde. Die New York Times spricht sogar von einem tektonischen Beben. Wer von denen war eigentlich in Trudering vor Ort? New York und Trudering: Halloooo!

Die Erkenntnis ist so einfach wie selbstverständlich und wurde von wichtigen Politikern schon ausgesprochen: Europa wird erwachsen. Europa emanzipiert sich. Auf die USA ist eben nicht mehr Verlass. Ist doch bei den neuen Reichweiten der Raketen sowieso kein Thema mehr. Da ist schon Kim vor! Mensch, das wird mal scheppern.

Von daher gab es durch das Geholze in der NATO und auf dem G7-Gipfel sehr viel Klarheit. Eine Klarheit, die sehr viel nach vorne bringt. Monsieur Macron hat im Elysée Putin die Flosse so lange gequetscht, bis der mal heftig durchatmete und hat deutlich gemacht, was Frankreich unternehmen wird, wenn rote Linien überschritten sind. In Österreich wird – Achtung Wortspiel – der Wahlkampf Kurz!

Und wir müssen uns endlich dazu bekennen, dass wir eine Großmacht sind. Nicht im nationalistisch-größenwahnsinnigen, sondern im kreativ-gestalterischen Stil. Und dass wir über die Achse Frankreich-Deutschland eine Chance haben, Europa neu aufzustellen. Auf den Werten der französischen Revolution und der Aufklärung, auf dem Boden der Toleranz und einer jahrhundertealten jüdisch-christlichen Kultur.

Was mit dem Herrn im White House wird und wie die USA dabei gebeutelt werden, muss und kann uns dabei egal sein. Diese Klarheit sollten wir auch haben.

Warum denn nicht…

…das Absurde zum System erheben? Auch Wahnsinn hat manchmal Methode. Nein, nicht schon wieder bewerten.

Da hat also Trump seinen FBI-Mann (Comey hieß er, oder?) gefeuert und meinte damit die Welt wieder gerade biegen zu können. Soweit so gut, das ist natürlich kindlich und schlecht vorbereitet. Aber stellt euch doch mal vor, er klopft sich vor hohen russischen Diplomaten dazu lachend auf die Schenkel. Der FBI-Mensch hätte sowieso nur gestört, sei höchst unangenehm gewesen, einbildet – außerdem dürfe er das, andere feuern, er sei doch der Präsident. (Ich hatte nebenbei schon richtig Angst um einen allerhöchsten Vertreter der Türkei, der bei Donald in diesen Tagen vorbeigeschaut hat,  denn wenn so ein Präsident gerade mal am Feuern ist)… Mensch, die Szene hat doch Filmformat und das Zeug zu einem Klassiker. Da müssen doch im Hirn von Herrn Lawrow ganze Truppen an Über-Ich-Gestalten vorbeigezogen sein. Und wie der lachen konnte… Big joke, Mr. President, a good one…

Und der Brexitman aus England. Stöpselt etwas von Whiskey daher und wo der doch billiger sei und den würde er mitbringen – und das alles in Zusammenhang mit dem Buddhismus. Endlich, endlich ist mal nicht mehr alles politisch korrekt. Selten war Politik so unterhaltsam, lachhaft und unvorhergesehen. Tja, wenn man so manchen Opa allein zuhause lässt. Schon Kinder stellen bei Langeweile etwas an. Moderne Pädagogen nennen das ganz positiv spontan-kreativ. Eben.

Ich hänge wenig am Äußeren. Aber es ist schon auffällig, was so Haarfrisuren hergeben. Ob der Herr aus Nordkorea oder der Mann im Weißen Haus oder The Brexitman… aber, was soll man darüber schon viel reden. Wirrnis und Irrnis.

Absurd ist die Welt geworden. Sie entlarvt sich als das, was meine Großtante immer so bezeichnete: „Der Herrgott hat einen großen Tierpark!“ sie meinte es liebevoll und vergebend und auch voller Verständnis. Ach, Tante Gretel, ich trinke auf Dein Wohl, als gläubige Katholikin bist Du bestimmt im Himmel und schmunzelst über die kleinen und größeren Sünden hienieden. Ich denk an Dich! Und vielen Dank auch für das Taschengeld, dass Du mir immer  zugesteckt hast, damit ich als Student in meiner kleinen absurden Welt in Mittelfranken leben konnte.

Vielleicht werde auch ich einmal Regierungschef. Das Alter hätte ich, an der Frisur muss noch gearbeitet werden. Ich habe doch immer schon gerne auf Knöpfe gedrückt und an Schaltern gespielt. Ha, jetzt endlich wär es soweit. Mal schauen, wen ich feuern kann. Und dann muss ich nur einen Russen finden, mit dem ich so richtig ablachen darf. Meine Güte, das Absurde in dieser Welt wird einfach unterschätzt. Nur aus dem Chaos kann Neues erwachsen. Himmel und Erde.

Schönen Tach noch, nich…

Und sind wir nun gerettet…?

Also gut, Macron ist es gestern in Frankreich mehrheitlich gewählt geworden. Gott sei Dank, nachdem Le Pen wie ein Gott sei bei uns in die Hölle verdammt wurde. Ich gebe es ja zu, ich bin natürlich auch erleichtert, dass Europa mal wieder scheinbar in James Bond-Manier gerettet und die Üblen dieser Welt von der Weltherrschaft abgehalten wurden. Nur, wie lange funktionieren noch solche Bilder? Natürlich kann man über KandidatInnen ein Anathema aussprechen und noch scheint das zu verfangen. Aber beim nächsten Mal wird es eben nicht mehr klappen. Macron hat zwar eine Lehrerin als Frau, aber ein gespaltenes Land am Bein. Er wirkt nicht wie einer, der ein Franzose für alle Franzosen werden könnte. Da ist ihm sein Intellektualismus im Weg. Und vielleicht sogar eine noch brillantere Lehrerin. Aber auch hier will ich zugeben, möchte ich mich gerne täuschen. Nur – wir müssen uns mit den Themen und Thesen der Populisten endlich auseinandersetzen und nicht auf irgendwelche Macrons bauen, die es noch einmal schaffen. Es war ja sogar ein Überzeugungssieg und nicht einer, der gaaaanz knapp daher kam. Respekt. Aber irgendwann wird es eben keine Schönlinge  wie Macron mehr geben. Und vielleicht wird ihm seine Parteilosigkeit sogar noch zum Stolpern bringen. Noch ist die Welt eben nicht gerettet, nein, es gab höchsten einen Aufschub.

Und die Wahl in Deutschland? War eigentlich gar nicht so interessant. Wieder ein Schönling, jung und unverbraucht. Schleswig-Holstein ist nicht die Welt. Höchstens ein Hinweis darauf, dass solche scheinbaren Messiasprätendenten wie Martin Schulz schnell verbraucht sind. Der Mann hat keeen Fortune, wie der Alte Fritz sagen würde. Und Albig? Naja, manchmal merkt man zu schnell, wenn in die Trickkiste der Provinzialität gegriffen wird. Dann bleibt nichts anderes, als die Sozen abzustrafen und nach altem Neuland auszuschauen. Kümmerlich zwar, aber immerhin. Das Volk denkt immer noch konservativ. So schaut es für Merkel wieder ganz gut aus. Macron und Merkel – diese Kombination ist denkbar und Daniel Günther als Merkels Abgesandter hat gute Chancen. Trotzdem wage ich eine steile provokante These: Es wird auch langweilig bleiben, wie es bisher schon war.

Meine Güte wäre das mit Le Pen spannend geworden. Und wir wären nicht jeden Abend in den Nachrichtensendungen mit einer Show aus dem White House gefüttert worden. Ich weiß auch: Das ist politisch inkorrekt. Aber in solchen Zeiten mag man auch mal inkorrekt sein.

Des Teufels Klatsche

 

Des Teufels Klatsche

Der Teufel kommt mit seiner Klatsche
Und sucht, wen er wohl klatschen kann‘t.
Mal schlägt er sanft, mal schlägt er heftig.
Egal – schon klebst du an der Wand.

Fällst in den Müll, den gibt es reichlich.
Und du verschimmelst unter Dreck vom Darm.
Die Auferstehung folgt verheerend hastig
In einem braunen Fliegenschwarm.

 

Ein Gespenst geht um…

… in unseren Landen. Es ist hohläugig, fahl und stumm. Und weil es stumm ist, geben wir ihm viele Namen. Es ist das Gespenst des Populismus, der sich der Angst der Menschen bedient, das Gespenst der Angst an sich und auch das Gespenst der Unaufgeklärtheit und der Dumpfheit. Es ist das Gespenst des moderaten Analphabetismus und der Dummheit. Es ist das Gespenst der Borniertheit und des Hasses. Das Gespenst des Ewig-Gestrigen, kurz: Das Gespenst des kranken Nationalismus.

Wir schieben unsre Verantwortung in trotziger Gebärde den Politikern zu. Sie hätten gestern schon Fehler begangen und täten sie heute wieder. Sie seien nicht lernfähig, übereifrig, zögerlich, abgehoben und blind für die Lebenssituation des einfachen Bürgers. Es werden in krankhaftem Wahn alle Über-Ich-Instanzen abgewatscht – jaja, wer hätte nicht schon mal Probleme mit Vater-und Mutterfiguren gehabt. Austreten aus der Kirche diesem Verein, der sich protestierend gegen einfarbiges Völkchen wendet. Und außerdem seien die etablierten Parteien sowieso abzustrafen. Dabei haben wir doch bis vor 25 Jahren in der DDR erlebt, was eine Ein-Parteien-Landschaft aus dem Leben von Mensch und Land macht. Aber Gespenster sind ja bekanntermaßen die Geister von Verstorbenen. Ihnen zu huldigen scheint den Geisterbeschwörern von heute nicht allzu schwer zu fallen.

Wer nun sagt, dies sei doch allzu weit hergeholt, der schaue nach Frankreich, dem Land der Aufklärung und der Französischen Revolution. Dem Land, dass den Absolutismus in kühnem Umsturz abschaffte, seinen König mitsamt Königin der Guillotine überantwortete und sich fortan um Toleranz bemühte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Genau dieses Land steht vor einer Stichwahl, in der Marine Le Pen – sie nennen sie eine Rechtsaußen – und ein Parteiloser mit angeheirateter Lehrerein (sie ist 24 Jahre älter als der Kandidat ) – um den Einzug in den Elyssée-Palast kämpfen. Von den einst etablierten Parteien ist nichts mehr zu sehen. – Schon vergessen, dass in England der Brexit sich endgültig auf den Weg gemacht hat. Im Land Shakespeares sollen mehrheitlich Bürgerinnen und Bürger gar nicht so recht gewusst haben, wofür oder wogegen sie eigentlich mehrheitlich stimmten. Demokratie braucht Lust an Information und kann sich auf Dauer Analphabetismus nicht leisten.

Und wenn wir über Europa hinausblicken?! Nichts Neues von Trump! Aber die letzten 100 Tage reichen schon, um sich verwundert die Augen zu reiben und die Hände über den Kopf zusammen zu schlagen. Mit ergebenem Blick zum Himmel: Wer hat denn den gewählt? Und da gäbe es noch… – aber lassen wir das Aufzählen, es sind zu viele!

Und bei uns? Das Gespenst geht um. Immer dreister wird der Spuk. Was noch nach Operette aussieht könnte zur Oper werden. Der fade Gesang zur Marschmusik. Und sollte es Marine Le Pen schaffen (in unseren Zeiten scheint mir alles möglich!), wird Herr Orban in Ungarn vielleicht ungarisch jauchzen und wir alle uns auf den Weg machen in eine neue nationalstaatliche Diskussion. So, als könnten wir es nicht glauben und hätten es gar nicht kommen sehen, ach ja… Zuletzt: Gespenster haben es dann auch leicht, wenn Langeweile ein Volk lähmt und man das Gefühl hat: Bei uns passiert ja nichts. Statt dass man dankbar ist für die Unaufgeregtheit. Gut, Trägheit und Langeweile sind mehr als Unaufgeregt-Sein. Und doch kann aus Langeweile im besten Fall – man denke an die Kindererziehung – Kreativität erwachsen. Da entschuldigt man manchen peinlichen Patzer in der Politik und freut sich, dass sich Herr Schulz von der SPD für die Kirchen einsetzt.

Ein Gespenst geht um, womöglich geistert es schon im eigenen Seelenleben, spukt im eigenen Haus. Lasst es Mitternacht werden und lauert im Dunkel! Dann wird sich zeigen, wer uns beherrscht. Spätestens dann müssen wir wissen, wie ein modernen Exorzismus aussieht. Wachet und betet – und lernt endlich zu lesen… Wir sind im Land von Goethe und Schiller.

Abwesender Gott und anwesender Mensch – anwesender Gott und abwesender Mensch -…

Heute Nacht ganz intensiv von E. geträumt. Ich war wieder einmal in meiner Geburtsstadt, gehe über die Brücke in Richtung meiner alten Schule und folge E.  Schließlich renne ich ihr sogar nach und sage ihr, kaum dass sie die Straße überquert, dass ich sie lieb habe. Und noch mehr. Ich liebe Dich, sage ich ihr, während wir wieder zurück zur Innenstadt laufen und sie lächelt so glücklich, weil es ihr solange niemand gesagt hat.

Das merkwürdige Wetter ist stimmungsmäßig nicht zu unterschätzen. Aus den österlichen Freudentagen bleibt so ein Kolorit von Karfreitag übrig. Entweder dicke Wolken und Regen oder dicke Wolken und Schnee. Unangenehm, weil überwunden geglaubt. Es versetzt mir eine Unruhe, der ich nicht Herr werde. Muss mich anstrengen, mich zu konzentrieren.

Gestern „The Young Pope“ mit Jude Law angesehen. Die ersten drei Filme. Eine großartige Serie, voller gelungener Anspielungen, voller gescheiter Philosophie, Theologie und Medienideen (nur ein abwesender Papst ist ein anwesender Papst – nur ein abwesender Gott ist ein anwesender Gott!). Auch für mich als Lutheraner eine gescheite Sache, die ich auch an manchen Stellen auf den Protestantismus ummünzen kann.

In Spannung wegen meines Manuskriptes, das nun lektoriert ist und von mir gegengelesen wurde, um es zuletzt zur Endlektorierung zu schicken. Aufregend. Diese Neugier zieht mich aus dem Sumpf der – sicher auch wetterbedingten – Traurigkeit.

Heut hatte ich Glück…

… nach einem stürmischen, arbeitsintensiven Vormittag am Nachmittag schweigen zu dürfen. Es tut so gut, Worte sind so inflationär. Und oftmals ist so viel Heuchelei dabei. Auch ich muss unschöne politische Füllsel zur Hand haben – und will es doch nicht. Die Wahrheit macht euch frei.

… ich konnte ein wenig träumen. Von E., aber auch von Carol und ihrer Malerei. Ich mag einfach ihre Gemälde. Dachte still an Liz, die unterwegs war; während ich schwieg reden musste noch und nöcher.

… auch dem Horror habe ich gefrönt. „Slasher“ – bin bei Teil 5 und hab immer noch keine Ahnung, wer der „Vollstrecker“ ist. Wieder einmal wird Religion missbraucht, um Macht auszuüben. Unschön. Aber den Fundamentalismus gibt es auch im Christentum. Spannend. Ich bin relaxed.

… Geburtstagsgrüße ausgesprochen. Erst gegen Abend. Als ich wieder reden wollte. Ich mag diesen Mann, der heute 76 geworden ist und der mich so sehr an meinen Vater erinnert. Die Art, wie er mit seinem Sohn umgeht und Tränen in den Augen hatte, damals, als wir seine Konfirmation feierten. Unvergesslich. Doch – ich hänge an ihm.

… gut eingekauft und mit Liz sehr gut gegessen: Bündner Fleisch, Lachs Pesto. Weißbrot. Kein Sekt, obwohl uns beiden der Sinn danach stand. Aber es ist Fastenzeit. Also wenigstens kein Sekt. Wenn wir sonst schon aus der Fülle leben. Es ist ein Genuss und eine schöne Stunde.

… das verrückte Aprilwetter draußen spornt die Sinne an. Poesie etwas dunkler gefärbt. Ich freue mich auf den Samstag. „Maskenball“ von Verdi. Endlich wieder einmal eine Opernaufführung. Außerdem mag ich dieses Werk sehr. Was für ein Ausblick. Heut hatte ich Glück. Und wie!

New World Symphony

Wie Musik wirkt. Es ist fast unwahrscheinlich, aber heute hat mich eine Aufnahme der 9. Sinfonie von Antonin Dvorak gebannt, verstört und zutiefst berührt. Wie nie zuvor. Die „Sinfonie aus der Neuen Welt“. Wie oft habe ich dieses Werk schon gehört, seit über 45 Jahren wird es in unserer Familie aufgelegt und gespielt. Und wie viel onkelhafte Aufnahmen habe ich gehört. So sehr, dass es mir langweilig wurde. Und nun das.

Rafael Kubelik, der Böhme, holt alles aus den Berliner Sinfonikern heraus, so habe ich dieses Werk noch nie gehört. Erschütternd, brillant, zärtlich, lauschend und scharf wie ein gut geschliffenes Messer. Nie habe ich die Sehnsucht des Komponisten, der fern seiner tschechischen Heimat lebte, stärker gehört. Und es wurde nur zu deutlich: Es geht um die großen Sehnsüchte in uns allen.

Ich musste an meine Eltern, hier besonders an meinen Vater denken, der diese Sinfonie so gerne gehört hat und sich an ihr berauschen konnte. Wie hat er den zweite Satz, das Largo, geliebt. Und ich merke wieder, wie sehr ich doch um ihn, diesen Dämon, trauere. Das waren Erlebnisse, die wir gerne miteinander geteilt haben. Und wie viel Sehnsucht blieb wohl in ihm unerfüllt. Bis zuletzt hatte er noch seine ferne Verlobte vor Augen, der er vor meiner Mutter begegnet war und die er so gern, greisenhaft schon, in Jüterbog besucht hätte.

Ich habe in Gedanken E. in die Arme genommen, die „Liebe meines Lebens“, wie es mein Vater sagen konnte. Und habe in allem ihre Gegenwart gespürt. Nein, ich bin nicht undankbar, wirklich nicht. Aber das Leben ist so viel mehr, als das, was vor Augen ist und was wir tagtäglich sehen, schmecken und fühlen. Es ist die Summe aller Menschen, die Summe unseres Daseins, des Erfüllten und Unerfüllten. Und dabei verschieben sich Tatsächlichkeiten und Träume werden endgültig Realität. Leben ist tatsächlich die „Sinfonie der, nein, einer neuen Welt“.